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Tamedia: Weiterer Stellenabbau in der Region Zürich

Erneut schlechte Nachrichten aus dem schweizweit grössten Printmedienhaus Tamedia: Die Regionalsplits des «Tages-Anzeigers» im Kanton Zürich werden endgültig eingestellt und in der Folge zehn weitere Mitarbeitende entlassen.

 

Am 9. Mai teilte Tamedia mit, dass zwischen dem «Tages-Anzeiger» und den Zürcher Regionalzeitungen endlich wieder ein «vollständiger publizistischer Wettbewerb» hergestellt werde und dass dies ein «Bekenntnis zu zwei unabhängigen Zeitungsangeboten im Raum Zürich» darstelle. Mit solchen vermeintlich positiven Botschaften wird die Öffentlichkeit für dumm verkauft. Denn hier geht es primär um einen weiteren Abbau von Stellen und um Entlassungen: Sechs Angestellten (fünf aus dem «Service», voraussichtlich der Druckvorstufe, einer Person aus der Redaktion) des «Zürcher Unterländers» (ZU) und der «Zürichsee-Zeitung» (ZSZ) sowie vier Redaktorinnen und Redaktoren der Regionalredaktion des «Tages-Anzeigers» wird im Mai gekündigt. Dies notabene, während der Konzern an der Werdstrasse einen millionenteuren Luxusbau hochzieht und bei bester Gesundheit im «Krisenjahr» 2011 einen satten Gewinn von 179 Millionen Franken einfuhr.

 

Konkurrenz ausgeblutet

Man erinnere sich: Um das Hoheitsgebiet des Konzerns auszuweiten, führte der «Tages-Anzeiger» 2006 sechs Regionalsplits im Kanton Zürich ein. Das war eine Kampfansage an die Lokalblätter ZSZ, ZU und «Zürcher Oberländer». Der tatsächlich scharfe publizistische Wettbewerb war – aus der Sicht von Tamedia – ein Erfolg: Sobald nämlich die Konkurrenten ZSZ und ZU im Jahr 2010 aufgekauft werden konnten, wurden die Regionalsplits des «Tages-Anzeigers» sukzessive heruntergefahren, Dutzende Journalistinnen und Journalisten erhielten die Kündigung. Jetzt werden die Regionalsplits kurzerhand ganz abgeschafft: Und das kostet wieder Stellen – aktuell zehn Entlassungen. ZSZ und ZU müssen derweil «unabhängig» rentabel werden – mit empfindlich reduziertem Personalbestand. Unter dem Titel «vollständiger publizistischer Wettbewerb» bleiben weniger Ressourcen als je zuvor.

 

Mehr Wettbewerb dank weniger Journalismus?

Tamedia teilt für die nähere Zukunft den Zeitungsmarkt im Kanton Zürich auf ihre verschiedenen verlagseigenen Produkte auf – denn inzwischen «gehört» ja das ganze Gebiet Tamedia, die in den letzten Jahren zum mit Abstand grössten Printmedienkonzern der Schweiz angewachsen ist. Wahr ist also genau das Gegenteil der schönen Verlautbarung: Es geht nicht um den publizistischen Wettbewerb, sondern wieder ums Sparen auf Kosten des Personals.

 

Die Wettbewerbslogik kann nicht aufgehen, denn Unabhängigkeit braucht genügend Ressourcen. Ohne genügend Personal in Redaktion, Produktion und Kundenservice haben die bereits heruntergesparten Regionalblätter schlechte Chancen, auf dem hart umkämpften Medienmarkt zu bestehen.


Petition für Sozialplan

Die von den Entlassungen Betroffenen sollen gemäss Mitteilung «unterstützende Leistungen» erhalten. Diese liegen viel tiefer als der Sozialplan, der 2009 während des grossen Abbaus beim «Tages-Anzeiger» von Personalkommission und Gewerkschaften ausgehandelt wurde. Damit wollen sich die Belegschaften nicht abspeisen lassen. An gut besuchten Redaktionsversammlungen am 10. und 11. Mai, zu denen syndicom und der Berufsverband Impressum eingeladen wurden, hat das Personal beschlossen, für einen besseren Sozialplan einzustehen. In einer Petition an die Unternehmensleitung verlangen die betroffenen Redaktionen einen anständigen Sozialplan, der mit den Sozialpartnern verhandelt wird und zumindest vom Niveau des 2009 ausgehandelten Vertragswerks ausgeht. Die Petition von ZSZ und ZU wurde am 16. Mai mit gut 80 Unterschriften per Post eingereicht. Eine weitere Petition der «Tages-Anzeiger»-Redaktion wurde der Unternehmensleitung mit knapp 90 Unterschriften übergeben. Wir bleiben dran.

 

Stephanie Vonarburg, Zentralsekretärin Presse und elektronische Medien

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